Mal eben eine Rede halten

Mal eben eine Rede halten

Anlässe für "mal eben eine Rede halten" gibt es im Job reichlich. Klar, ich meine jetzt hier nicht die große Rede, am Pult und mit Mikro. Sondern ein paar Worte mal eben zwischendurch: Beförderung, Geburtstag, Auftrag ergattert, neuer Mitarbeiter und so... Hier ein Beispiel:

Bild und Ton: KI


Ein typischer Dauerthema-Streit eben: Anna äußert einen Wunsch, den Paul ihr erfüllen soll. Der will aber nicht, zumindest nicht jetzt sofort. Und ab dann geht es immer weniger um den Müll, sondern zunehmend um gegenseitige Vorwürfe, um die Beziehung der beiden zueinander, um Rechthaberei. Und am Ende sind beide nur noch genervt – und das eigentliche Thema, der Küchenmüll kommt überhaupt nicht mehr vor. Na dann, bis zur nächsten Müll-Streit-Runde...

Darauf hat Anna jetzt aber keine Lust mehr. Sie will dieses Streit-Thema lösen. Endgültig. Langfrsitig. Strategisch. Gemeinsam mit Paul. Und zwar schon heute Abend. Da Anna keine perfekte Sofort-Lösung kennt, lautet für das erste Lösungs-Gespräch ihr Ziel auch nicht "Ich will das Problem lösen", sondern nur: "Ich will mit Paul darüber sprechen, wie wir gemeinsam dieses Thema in den Griff kriegen." Und wenn es gut läuft – vielleicht schaffen sie es ja auch, dass sich im und nach dem Gespräch ein Weg abzeichnet, den beide bereit sind zu gehen, um erst einmal schlauer zu werden. So bereitet Anna sich auf dieses Ziel-Gespräch vor. Zum Beispiel berücksichtigt sie, dass Paul vielleicht störrisch ist und genervt, dass er keine Lust hat, schon wieder über den Müll zu reden, dass er sich ärgert und eben darauf beharrt, dass nur seine Sichtweise die "richtige" ist. Was auch immer: Anna will bei ihrem Thema, bei ihrem Gesprächsziel bleiben und nimmt sich vor, nicht auf Pauls Antworten und Themen einzugehen, sondern stattdessen will sie das Gespräch immer immer wieder in Richtung ihres Gesprächs-Ziel zurückholen: "Wie schaffen wir es, das Problem zu lösen?" Hören wir, ob und wie es klappt:

Foto und Audio: KI


Klar – ob das schon der Weg zu einer Lösung ist, wissen wir nicht. Anna jedenfalls hat ihre Sache gut gemacht; sie hat sich an ihre Vorgaben  gehalten und sie umgesetzt: Sie hat sich von Pauls Vorwürfen nicht provozieren lassen, ist immer wieder zu ihrem Thema zurückgekehrt und hat mit Paul eine erste Vereinbarung getroffen. Ein großer Fortschritt der beiden, um endlich und endgültig ihr Dauer-Streitthema "Müll" in den Griff zu kriegen. 

Du willst das auch können? Super, hier kannst du den ersten Schritt machen - und Annas Text sprechen!

In dem Video unten ist Annas Stimme nicht zu hören - du sprichst ja jetzt ihren Part. Ich habe in die stummen Stellen eine Sekundenanzeige eingefügt, so bekommst du ein Gespür dafür, wie wie viele Sekunden du noch hast, um deinen Text zu sprechen. Denn nach deinem Part kommt jeweils wieder Paul dran.
Die Übung zeigt dir, wie einfach es für dich ist, dich mit entsprechender Vorbereitung von deinem Gesprächspartner, in diesem Fall Paul und seinen wenig konstruktiven Worten, unabhängit zu machen und bei deinem Thema, bei deinem Gesprächsziel zu bleiben. Und natürlich ist es für alle weiteren Übungen und auch deine Auftritte immer gut, wenn du ein Zeit-Gefühl dafür entwickelst, wie lange du jeweils sprichst.

 

Hier der Text des Dialogs

Anna: „Wir hatten heute wieder mal das Müll-Thema. Und es hat mich wieder genervt.“
Paul: „Ja, das liegt daran, dass du immer deinen Willen durchsetzen willst.“

Anna: „Egal, ob das stimmt oder nicht. Ich will jetzt darüber reden, wie wir beim Thema Müll eine Lösung finden können. Zumal ich annehme, dass dich das Thema auch nervt.“
Paul: „Aber klar nervt mich das. Aber es liegt halt nicht an mir…“

Anna: „Darum geht es mir jetzt nicht. Was würdest du vorschlagen, wie wir das Problem lösen können?“
Paul: „Keine Ahnung.“

Anna: „Dann hätte ich einen Vorschlag. Wenn ich sehe, dass der Mülleimer bald voll ist, sage ich dir das. Dann hast du Zeit den Müll runterzubringen, wann es DIR passt.“
Paul: „Wenn du meinst. Können wir ja mal ausprobieren…“

Anna: „Dann abgemacht. Und lass uns in zwei Wochen mal drüber reden, ob und wie das klappt. Okay?“
Paul: „Meinetwegen.“

Viel Spaß!

Foto und Audio: KI