Reden
Typisch Rede:
„Hallo Leute, klasse, dass ihr alle gekommen seid, um mit uns
zu feiern!“
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine traurige Nachricht hat
uns eben erreicht…“
„Liebes Brautpaar, liebe Gäste, ich hätte nie gedacht, dass ich
heute, an diesem Tag…“
„Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie zu unserem
Coaching Day.“
„Guten Tag miteinander, herzlich willkommen in der Beispiel AG
zum Tag der Offenen Tür.“
„Mein Name ist Bibi Beispiel – und jetzt muss ich in dieser
Runde auch mal was sagen…“
Die Situation ist immer die gleiche: Jemand steht vor vielen Menschen und redet, spontan oder geplant, über einen längeren Zeitraum; von einer Minute bis zu mehreren Stunden. Die Themen sind schier unendlich; die Anlässe lassen sich schnell einordnen:
Der Toast (deutsch: Trinkspruch)
Der Wortbeitrag – in der Konferenz, bei der Podiumsdiskussion,
in der Talkshow
Die Begrüßung deiner Gäste anlässlich Geburtstag, Hochzeit,
Geburt…
Die Rede zu einem Anlass: Jubiläum, Preisverleihung, Auftrag an
Land gezogen…
Der Vortrag – im Unternehmen, auf der Fachtagung
Die Powerpoint-Präsentation
Eine klare Definition und Abgrenzung der Begriffe "Rede", "Vortrag" oder "Präsentation" gibt es nicht. Es gilt:
Bei einer Rede willst du das Publikum für dein Thema interessieren, mitreißen, emotional bewegen, und manchmal soll das Publikum dadurch nach der Rede etwas Bestimmtes machen und/oder denken. In einem Vortrag willst du deinem Publikum vor allem Wissen vermitteln, bringst Fakten, Ergebnisse, Erkenntnisse; ob zwischen dir und deinem Publikum eine Beziehung entsteht, ist eher unwichtig. Rede und Vortrag werden zur Präsentation, wenn du nicht nur redest, sondern deine Inhalte visuell unterstützt: Zum Beispiel durch reale Modelle, Grafiken, Fotos, Skizzen oder Bilder. Wenn nicht explizit geschrieben, meint „Rede“ in diesem Buch immer auch Vortrag und Präsentation.
Soweit die Theorie – die in der Praxis dann doch ein bisschen anders aussieht: Ist es schon eine Präsentation, wenn ich dem Publikum ein Foto von meinem Versuchslabor zeige? Wird die Rede zum Vortrag, wenn ich Zahlen einer Statistik nenne? Die einfache Antwort: Es ist völlig egal, ob eine Rede eine Rede ist, ein Vortrag oder eine Präsentation. Für deine Planung und Vorbereitung ist wichtig zu wissen, dass du dich entscheiden musst, ob du eher eine Informations-Rede halten willst oder eine eher unterhaltende Rede. Das wird natürlich auch bestimmt durch den Rede-Rahmen; bei einer Geburtstagsrede willst du niemandem mit deinem Fachwissen langweilen; auf dem Wissenschafts-Kongress musst du schon mehr bringen als nur aus deinem Leben zu plaudern.
Informations-Reden
bieten dem Publikum neues Wissen, neue Erkenntnisse, Und da sind die Möglichkeiten natürlich schier endlos: Die Rede muss deinen Zuhörern das Leben, den Job oder auch eine Entscheidung leichter machen; sie müssen durch die Rede mehr Erfolg oder Spaß im Job haben, Geld sparen, gesund bleiben, besser miteinander reden können. Oder was auch immer.
Als Modell betrachtet, erwirbt das Publikum während deiner Rede dieses neue Wissen und kann es nach deiner Rede anwenden und hat dadurch einen Vorteil, den es vor deiner Rede nicht hatte/nutzen konnte. Ein Vorgang, wie du ihn aus der Schule kennst: Lernen, was durchaus anstrengend sein kann, und später das Gelernte anwenden. Beispiele für Info-Reden sind die Vorträge bei einer Fachtagung, auf der Experten ihre aktuellen Untersuchungen und Erkenntnisse vorstellen, die dann natürlich Einfluss haben auf die weiteren Forschungen aller zu diesem Thema.
Bei der Informations-Rede ist der nutzwertige Inhalt am wichtigsten; eher unwichtig sind die Beziehung zwischen Redner und Publikum und die Form der Rede. Wenn das Publikum merkt, dass der Redner spektakuläre Inhalte bietet – nimmt es eine komplizierte und langweilige Sprache und Präsentation in Kauf.
Unterhaltungs-Reden
sind – Unterhaltung. Der Nutzen einer Rede liegt darin, dass das Publikum diese Reden genießt, sich amüsiert, lacht. Oder auch besorgt ist, ängstlich, weint. Also das, was auch einen guten Hollywood-Film ausmacht. Eine Rede auf einer Feier soll ja nicht alle Lebensdaten des Geburtstagskindes, des Hochzeitspaares oder des Jubilars auflisten, sondern die wichtigsten Ereignisse nennen und erzählen; meistens humorvoll, aber manchmal eben auch durchaus dramatisch, theatralisch, traurig.
Bei der Unterhaltungs-Rede sind Unterhaltungswert und Beziehung am wichtigsten, die Inhalte sind eher unwichtig. Wenn die Rede ein Brüller war, ist es egal, ob sich das Publikum am nächsten Tag auch noch an die Lebens-Daten und -Fakten erinnert.
Die meisten Reden sind
ein Mix aus Information und Unterhaltung; jeweils zu unterschiedlichen Anteilen. Auch das Experten-Publikum freut sich, wenn der Kollege am Rednerpult seine spektakulären Inhalte verständlich formuliert; wenn er begeistert, interessant und damit mitreißend spricht. Und das i-Tüpfelchen in einer Unterhaltungs-Rede ist ein bemerkenswertes Ereignis aus dem Leben des Jubilars oder des Brautpaares.
Eine Rede muss effizient sein
Familie,
Freunde, Kollegen: Privat und persönlich redest du drauf los.
Da ist viel Geschwafel und Geschwätz dabei. Macht aber nichts.
Denn wenn du so spontan, aus dem Bauch heraus (kausal) redest,
kommt es nicht so drauf an; ihr kennt euch untereinander und
keiner erwartet, dass du druckreif sprichst. Wen deine Sätze
nicht interessieren, der hört weg, stellt seine Ohren auf
Durchzug.
Bei deiner Rede ist das anders, hier kannst du nicht einfach
drauflosreden und irgendwas daher schwafeln; hier erwartet dein
Publikum Effizienz: Alles, was du sagst, muss sofort
verständlich sein, muss einen erkennbaren Bezug haben zum Leben
deiner Zuhörer, muss fürs Publikum nützlich sein. Jedes Wort,
jede Sekunde zählt. Wenn in einem deiner Sätze nichts ist,
womit deine Zuhörer etwas anfangen können – geht der
Publikums-Daumen gedanklich schon mal nach unten.
Eine Rede musst du vorbereiten
Und der
Aufwand dafür geht von „ziemlich wenig“ bis „ganz schön viel“;
von der Begrüßungsrede bei deinem Geburtstag bis zur 60-Minuten
Power-Rede im Job.
Als Redner bist du Gastgeber
Nutzen,
Effizienz und die damit verbundene Vorbereitung sind schon eine
ganze Menge. Und damit enden ja deine Redner-Pflichten nicht –
verantwortlich bist du für alles drum herum. Du hast uns zu
deiner Rede eingeladen; entweder im wörtlichen, in jedem Fall
aber im übertragenen Sinne. Nun hast du, wie ein Gastgeber, uns
gegenüber, eine allgemeine Fürsorgepflicht. Kümmere dich um
uns, sorge dafür, dass wir eine angenehme Hör-Zeit haben. Deine
Gastgeber-Verantwortung beginnt damit, dass du deinen
nützlichen Inhalt auch für uns angenehm präsentierst; sie geht
über die bei der Powerpoint-Präsentation durchgebrannte
Beamer-Birne und mögliche störende Zwischenrufe bis hin zum
Baulärm aus dem Nebenraum. Wir schenken dir unsere Anwesenheit
und unsere Hör-Zeit – alles andere ist deine Aufgabe.
Eine Rede soll Spaß machen! Dir und dem Publikum. Okay, vielleicht ist "Spaß" nicht immer die Vorgabe. Aber es soll für das Publikum angenehm sein, im Sall zu sitzen und dich zu sehen und deine Rede zu hören. Und allein DU bist verantwortlich dafür, dass das bei deiner Rede auch der Fall ist. Es spielt dabei keine Rolle, ob dir alle oben genannten Aufgaben und Pflichten leicht und locker übernehmen kannst oder die hart erarbeiten musstest. Niemand interessiert sich dafür, wie lange, wie hart du an deiner Rede gearbeitet hast. Für alle zählt nur: "Das war ja eine sehr schöne Rede."
