Wenn du einem Publikum
(d)einen Text vorliest, ist das keine Rede. Sondern einfach nur
langweilig.
Deswegen musst du lernen, so
zu schreiben, so zu sprechen, dass du keine Rede hältst,
sondern dass du deinem Publikum eine Geschichte erzählst. Und
eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass du jederzeit und
überall in der Lage bist, dich selber mal eben schnell
aufzunehmen. Nein, nicht um es zu veröffentlichen. Sondern du
musst dich selber hören und sehen - nur dann hörst und siehst
du, was du noch besser machen kannst. Und wie das geht. Jetzt,
im ersten Schritt, reicht eine Audio-Aufnahme, später sollte es
dann auch ein Video sein. Damit du jetzt nicht lange drüber
nachdenken musst, wie, warum, wie lange: Hier ein Beispiel von
mir:
Übung 1: Also, jetzt du. Handy an, Audio-Recorder an (wenn du keinen separaten Audio-Recorder hast, geht natürlich auch die Kamera), Handy auf den Tisch legen, Und jetzt erzählst du mir, was DU heute gemacht hast oder machen willst. Der Inhalt ist völlig unwichtig. Einfach reden, quatschen, erzählen. Ungefähr 30 Sekunden.
Übung 2: Hör dir deine Aufnahme an. Und zwar bis zum Ende. Denn du findest dich peinlich und willst deswegen immer die Wiedergabe anhalten. Ertrage alle Mängel, Fehler, Versprecher oder deine "schreckliche" Stimme. Und auch, wie komisch betonst, dass du lange, oder vielleicht auch gar keine Pausen machst… Mit einem Satz: Du willst sagen, dass die Stimme, der Mensch auf der Aufnahme überhaupt nicht du selbst bist. Und vielleicht auch, dass du dich einfach nur „unmöglich“ findest.
Übung 3: Hör dir deine Aufnahme an, wieder bis zum Ende. Versuche, dich nicht nur „schlecht“ zu finden, sondern herauszuhören, was genau du „schlecht“ findest. Schreibe deine "Fehler" auf einen Zettel, erstelle deine persönliche "Mängel-Liste".
Übung 4: Lasse die Übung, deine Aufnahme einen Tag "sacken". Dann höre dir deine Aufnahme noch mal an. Mehrmals. Du wirst erkennen, dass du bei dieser Aufnahme ziemlich nervös gewesen bist. Und dass du mit ein bisschen Vorbereitung diese Aufgabe, einen 30 Sekunden-Text zu sprechen, bestimmt besser hinkriegst. Stimmt. probier es doch gleich noch mal. Und dann noch einmal. Und schwupp - schon geht es besser. Fast hast du schon den Eindruck, dass sich die Mängel-Liste von gestern schon erledigt hat. Glückwunsch - du hast den ersten Schritt gemacht und geschafft. Und, ja, du kannst deine Mängel-Liste zerreißen.
Fast alles, was du in einem Gespräch, in einer Rede formal (Person, Stimme, Körper) falsch machst, ist nicht persönliches Unvermögen. Du machst das, weil du nervös bist. Dein Körper schüttet Adrenalin aus, und das blockiert Gehirn und Denkfähigkeit. Je nervöser du bist, desto mehr Adrenalin; je mehr Adrenalin, desto weniger Denkfähigkeit. Um formal erfolgreich sprechen und reden zu können, musst du (fast) nichts neu lernen. Du musst nur lernen, deine Nervosität in den Griff zu bekommen und damit deinen Normalzustand zu erreichen.
