Kausale und Finale Kommunikation
Bei Anna und Paul fliegen die Fetzen. Wieder einmal geht es um die Frage: "Wer bringt wann den Müll runter?" Das Thema ist bei den beiden ein Dauerbrenner, immer wieder kriegen sie sich darüber in die Haare, und alle diese Gespräche laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Hören wir mal rein.
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Ein typischer Dauerthema-Streit eben: Anna äußert einen Wunsch,
den Paul ihr erfüllen soll. Der will aber nicht, zumindest
nicht jetzt sofort. Und ab dann geht es immer weniger um den
Müll, sondern zunehmend um gegenseitige Vorwürfe, um die
Beziehung der beiden zueinander, um Rechthaberei. Und am Ende
sind beide nur noch genervt – und das eigentliche Thema, der
Küchenmüll kommt überhaupt nicht mehr vor. Na dann, bis zur
nächsten Müll-Streit-Runde...
Ich nenne solche Gespräche kausale Kommunikation: Beide reagieren nur auf das, was der andere sagt. Spontan, aus dem Bauch heraus. Jede/r will recht haben. Und meistens zu 100 Prozent. Und am Ende sind beide voneinander enttäuscht...
Darauf hat Anna jetzt aber keine Lust mehr. Sie will dieses Streit-Thema lösen. Endgültig. Langfrsitig. Strategisch. Gemeinsam mit Paul. Und zwar schon heute Abend. Da Anna keine perfekte Sofort-Lösung kennt, lautet für das erste Lösungs-Gespräch ihr Ziel auch nicht "Ich will das Problem lösen", sondern nur: "Ich will mit Paul darüber sprechen, wie wir gemeinsam dieses Thema in den Griff kriegen." Und wenn es gut läuft – vielleicht schaffen sie es ja auch, dass sich im und nach dem Gespräch ein Weg abzeichnet, den beide bereit sind zu gehen, um erst einmal schlauer zu werden. So bereitet Anna sich auf dieses Ziel-Gespräch vor. Zum Beispiel berücksichtigt sie, dass Paul vielleicht störrisch ist und genervt, dass er keine Lust hat, schon wieder über den Müll zu reden, dass er sich ärgert und eben darauf beharrt, dass nur seine Sichtweise die "richtige" ist. Was auch immer: Anna will bei ihrem Thema, bei ihrem Gesprächsziel bleiben und nimmt sich vor, nicht auf Pauls Antworten und Themen einzugehen, sondern stattdessen will sie das Gespräch immer immer wieder in Richtung ihres Gesprächs-Ziel zurückholen: "Wie schaffen wir es, das Problem zu lösen?" Hören wir, ob und wie es klappt:
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Klar – ob das schon der Weg zu einer Lösung ist, wissen wir
nicht. Anna jedenfalls hat ihre Sache gut gemacht; sie hat sich
an ihre Vorgaben gehalten und sie umgesetzt: Sie hat sich
von Pauls Vorwürfen nicht provozieren lassen, ist immer wieder
zu ihrem Thema zurückgekehrt und hat mit Paul eine erste
Vereinbarung getroffen. Ein großer Fortschritt der beiden, um
endlich und endgültig ihr Dauer-Streitthema "Müll" in den Griff
zu kriegen.
Die Methode, die Anna in ihrem Lösungs-Gespräch anwendet, ist finale Kommunikation. In diesen Fall sind es Anna und Paul, und der Streit geht um den Müll. Grundsätzlich aber funkioniert finale Kommunikation, also das, was Anna vorbereitet und dann erfolgreich durchgezogen hat, bei allen Streit-Themen.
Wenn du schon mal, ganz spontan und schnell ausprobieren willst, mit einem nörgeligen Gegenüber final zu kommunizieren: In "Übung 3: Du bist jetzt Anna" kannst du das machen.
