Vorlesung 3: Reden
Zwei gute Nachrichten zum Thema "Eine Rede halten":
1. Egal
ob Angestellte, Chefs, Wissenschaftler oder Handwerker; egal ob
Mann, Frau, alt oder jung:
Am Pult zu stehen und eine Rede zu halten, sorgt bei den
meisten Menschen
für schnellen Puls, weiche Knie und einen Frosch im
Hals.
Du bist also nicht allein mit deiner Rede-Angst.
Und die zweite gute Nachricht kommt von mir:
2. Alles was du brauchst um eine gute Rede zu halten,
kannst du schon.
Das Einzige, was du lernen musst:
Bleibe auch vor und während deiner Rede so wie immer:
normal.
Was willst du wem warum sagen?
Wir beginnen mit dem wichtigsten Fragewort: warum. Warum warum? Weil du mit der Warum-Frage ein Ziel definierst. Und ein Ziel zu definieren, das ist für finale und damit erfolgreiche Kommunikation die wichtigste Voraussetzung. Die Ziele einer Rede können ganz unterschiedlich sein; wichtig ist, dass das Ziel klar definiert ist – und am besten auch so formuliert ist, dass nach der Rede erkennbar, messbar, nachprüfbar ist, ob das Ziel erreicht wurde.
Beispiele für Rede-Ziele
„Nach meiner Rede sollen mich die anwesenden Mitglieder zum Präsidenten wählen.“
„Nach meiner Rede sollen sich die Investoren für mein Projekt entscheiden.“
In diesen beiden Beispielen/Zielen will der Redner, dass das Publikum nach der Rede etwas macht. Und die späteren Abstimmungen zeigen, ob der Redner mit seiner Rede dieses Ziel erreicht hat oder nicht.
„Immer nur Daten, Infos, Fakten. Ich will das Publikum einfach nur unterhalten.“
„Ich habe keine Ahnung von dem Thema, ich will diese Rede nur überstehen.“
Auch hier ist erkennbar, ob die Rede das jeweilige Ziel erreicht hat (Applaus; Redner überlebt.)
„Ich will durch meine Rede beweisen, dass ich der klügste Mitarbeiter bin.“
„Die kennen mich alle nur als Langweiler. Heute lasse ich mal den Clown raus.“
Hier will der Redner, dass das Publikum etwas denkt, fühlt. Das Ziel der Rede ist, wenn überhaupt, nur durch späteres Verhalten der Anwesenden messbar.
„Nach meiner Rede wollen ab morgen alle mehr für die Umwelt tun.“
„Durch meine Rede erkennen alle, dass und wie sie eine tolle Rede halten können.“
Auch hier soll das Publikum etwas machen, aber es ist nicht messbar, ob die Reden ihr Ziel erreichen.
„Mein Chef hat gesagt, ich soll hier eine Rede halten.“
„Reden halten geht bei uns immer der Reihe nach – und jetzt bin halt ich dran.“
Auch hier ist hinterher messbar, ob das Ziel erreicht wurde: Rede gehalten – Ziel erreicht. Aber bei diesem Ziel wird es eine sehr schlechte Rede gewesen sein…
Bild und Ton: KI
1. Mit Menschen zu sprechen, liegt in unseren Genen – vor ihnen eine Rede zu halten, nicht.
2. Einen Text abzulesen, ist eine Lesung – keine Rede.
3. Wenn DU deine Rede langweilig findest – wird es das Publikum auch tun.
4. Ein Rede-Text, der für dich schwer ist zu sprechen – ist fürs Publikum schwer zu verstehen.
5. Mit deiner Rede sollst du interessieren, motivieren, begeistern. Wenn du informieren willst, schicke allen eine E-Mail.
Foto und Audio: KI
- Warum scheiterst du bei deinen Reden?
Das ist die Situation: Bei einer Rede, bei deiner Rede – darf nur einer reden: Du. Du allein hast das du allein das Rede-Recht: Nur du darfst reden – alle wissen das und halten sich daran. Aber wie jedes Recht, erwächst daraus auch eine Pflicht: in diesem Fall ist es die Redner-Pflicht. DU MUSST REDEN. Und diese Rede-Pflicht ist der Grund dafür, dass du nervös bist. Rede-Pflicht bedeutet ja: Solltest du deinen Text vergessen oder unsicher werden – kann und darf dir niemand helfen. Denn dein Rede-Recht bedeutet für alle anderen – Schweige-Pflicht. Und diese worst case Situation, vor dem Publikum zu stehen und nicht mehr zu wissen, was du sagen willst, lässt dich schon lange vor deiner Rede und vor allem während deiner Rede nervös werden. Das Schlimme daran: Je nervöser du wirst, desto weniger scheint dein Verstand und Gehirn zu funktionieren. Im schlimmsten Fall verhaspelst und versprichst du dich immer mehr, deine Sätze klingen wie - Hals wird immer größer. Das Publikum leidet zwar mit dir – aber niemand wird und kann dich „retten“. So wird für alle deutlich: Du bist gescheitert. Was für Blamage für dich. Und eine peinliche Situation für alle.
Zusammenfassung Vorlesung 2:
Ziel-Gespräche heißen so, weil du am Ende des Gesprächs ein Ziel erreicht haben musst. Deswegen führt deine Standard-Sprache (spontan, emotional, zufällig = kausale Kommunikation) selten zum Ziel. Stattdessen musst du dieses Gespräch vorbereiten, dein Ziel definieren und im Gespräch dieses Ziel ansteuern und immer im Blick haben. Für Ziel-Gespräche gilt: Je emotionaler Thema und Beziehung für/zwischen die Gesprächspartner, desto größer ist die Gefahr eines Scheitern. Nur durch Vorbereitung und Disziplin kannst du während des Gesprächs beim Thema und bei der Sache bleiben und dein Gesprächs-Ziel erreichen.
