Vorlesung 2: Gespräche
Familie, Freunde, Kollegen: Privat und persönlich reden wir drauf los. Da ist viel Geschwafel und Geschwätz dabei. Macht aber nichts. Denn wenn du so mit anderen redest, privat, kommt es ja nicht so drauf an; ihr kennt euch, ihr mögt euch und keiner erwartet, dass druckreif sprichst. Und wenn du findest, dass ein Gesprächspartner zu viel oder zu nur langweiliges Zeug redet, stellst du deine Ohren auf Durchzug – und gut ist.
Aber ab und zu kommt es eben doch drauf an in Gesprächen. Hier
eine Auswahl:
(In dieser Vorlesung kümmern wir uns nur um Gespräche und auch
nur um Zweier-Gespäche. Monologe, also Reden, Vorträge sind
Thema in Vorlesung 3.)

Grafik: Stefan Korol
Diese Gespräche, diese Gesprächs-Anlässe führst du vor allem im
Job, aber zum Beispiel „streiten“, „Nein sagen“ und
„Kritisieren“ und andere dieser Ziel-Gespräche führst du auch
in der Familie und Freundeskreis.
Wie es der Begriff schon sagt: Diese Gespräche führst du, weil du ein Ziel hast, das du in und mit dem Gespräch verfolgst. Am Ende eines solchen Ziel-Gesprächs merkst du, ob du dieses Ziel erreicht hast – oder nicht.
Mein Tipp: Ohne Vorbereitung wird es kaum und nur zufällig gelingen, final und damit erfolgreich zu kommunizieren. Stattdessen wirst du in deine intuitive, spontane und emotionale finale Kommunikation zurückfallen. Zum Beispiel, weil dein Gesprächspartner das Thema wechselt, dich provoziert, kleine Witzchen über dein Thema macht. Oder ihr rutscht in eine Diskussion, die du gar nicht führen willst; über ein Thema, über das du gar nicht reden willst. Und weil du dich nicht vorbereitet hast, reagierst du nur auf das, was dein Gesprächspartner sagt. Du findest kein Zurück mehr zu dem, was du eigentlich sagen und erreichen willst. Und erst wenn das Gespräch vorbei und ganz schlecht gelaufen ist für dich, merkst du: Dieses Gespräch, diese Rechthaberei hättest du dir ersparen sollen. Das war vergeudete Zeit und Energie.
Klar, ist ärgerlich. Aber sieh eine solche Erfahrung als Lehrgeld an, das du bezahlt hast. Denn dafür weißt du jetzt: Nur, wenn du du VOR dem Gespräch genau für dich klärst, was du willst und was nicht - kannst IM Gespräch merken, wie es für dich läuft und je nach Situation vorbereitet gegensteuern.
Hier zwei Beispie Gespräche: Anna und Paul streiten sich mal wieder darüber, wer von ihnen wann den Müll runterbringt. Das erste Gespräch, den "Müll-Streit" kennst du schon aus Vorlesung 1 "Warum reden wir eigentlich?". Die zweite Version dieses Gesprächs, die "Müll-Lösung" ist neu.
Foto und Audio: KI
Zusammenfassung zu diesem Gespräch, das wir ja in Vorlesung 1
schon behört und besprochen haben: Anna und Paul reden spontan,
aus der Situation heraus. Kein Ziel, keine Strategie, keiner
von beiden "führt" in diesem Gespräch. Und am Ende geht es
deswegen auch gar nicht mehr um den Müll, sondern nur um Ärger,
Streit, Gefühle und Beziehung.
Das Müll-Thema ist zwischen den beiden ein Dauerbrenner, kocht immer wieder mal hoch. Aber jetzt hat Anna die Nase voll davon! Sie will dieses Streit-Thema lösen. Endgültig. Langfrsitig. Strategisch. Gemeinsam mit Paul. Und zwar schon heute Abend. Da Anna keine perfekte Sofort-Lösung kennt, lautet für das erste Lösungs-Gespräch ihr Ziel auch nicht "Ich will das Problem lösen", sondern nur: "Ich will mit Paul darüber sprechen, wie wir gemeinsam dieses Thema in den Griff kriegen." Und wenn es gut läuft - vielleicht schaffen sie es ja auch, dass sich im und nach dem Gespräch ein Weg abzeichnet, den beide bereit sind zu gehen, um erst einmal schlauer zu werden.
Und sie bereitet sich darauf vor, dass Paul vielleicht störrisch ist, nicht schon wieder über den Müll reden will, sich ärgert, darauf beharrt, dass nur seine Sichtweise die "richtige" ist. Was auch immer: Anna will bei ihrem Thema, bei ihrem Gesprächsziel bleiben und nimmt sich vor, nicht auf Pauls Antworten und Themen einzugehen, sondern stattdessen das Gespräch immer immer wieder in diese Richtung, zu ihrem Gesprächs-Ziel zurückholen. Und so ist das Gespräch gelaufen:
Foto und Audio: KI
Klar - ob das schon der Weg zu einer Lösung ist, wissen wir
nicht. Anna jedenfalls hat ihre Sache gut gemacht; sie hat sich
an ihre Vorhaben gehalten und sie umgesetzt: Sie hat sich
von Pauls Vorwürfen nicht provozieren lassen, ist immer wieder
zu ihrem Thema zurückgekehrt und hat mit Paul eine erste
Vereinbarung getroffen. Sie hat sich auf ihr Gespräch
vorbereitet, ihr Ziel definiert und dieses Ziel erreicht. Sie
hat final kommuniziert. Und auch wenn dieser erste Versuch noch
nicht sofort zur Lösung des Müll-Problems führt: Was für ein
Riesenfortschritt für die beiden im Vergleich zu den ihren
bisherigen Streit-Gesprächen.
Zusammenfassung Vorlesung 2:
Ziel-Gespräche heißen so, weil du am Ende des Gesprächs ein Ziel erreicht haben musst. Deswegen führt deine Standard-Sprache (spontan, emotional, zufällig = kausale Kommunikation) selten zum Ziel. Stattdessen musst du dieses Gespräch vorbereiten, dein Ziel definieren und im Gespräch dieses Ziel ansteuern und immer im Blick haben. Für Ziel-Gespräche gilt: Je emotionaler Thema und Beziehung für/zwischen die Gesprächspartner, desto größer ist die Gefahr eines Scheitern. Nur durch Vorbereitung und Disziplin kannst du während des Gesprächs beim Thema und bei der Sache bleiben und dein Gesprächs-Ziel erreichen.
